Relativistik, eine kleine Hirngymnastik.
Ein Platz in der Sonne nahe dem Ort,
wo das Reh verwundet und getötet wurde.
Mild schöne Zeit, gut Sicht am Waldrand entlang.
Die Sonne hat mich wieder. Gute alte Dinge
fallen wieder ein, der so viel unverstörtere
Blick auf die tiefgestalte Landschaft,
wo immer so Ähnliches zu finden, mit 16,
17 Jahren. Alles so klar, und alles so
sprachlos gewiß. Auf dem Herweg Gespräch
mit einer Spinne, die auf den Weg gekommen.
Ein totgefahrener, schön metallgrün und
goldigmatt gefärbter Käfer hatte mich belichtet.
Gerade vorgestern war mir jener andere,
metall-so-grüne wieder inne geworden,
den ich versehentlich hatte oben auf der
Börde überfahren, vielleicht vier Jahre her.
Mit der Spinne ein kleines Verstellspiel,
daß sie nicht soll versehentlich unter
passierende Radler geraten. Dann geht sie
genau in den ersten Grasrand zurück, haargenau
an der Grenze, von einem Grashalm überdeckt
den Leib, und läßt mich so weiter. Auf dem
weiteren Wege eine bräunlich quergestreifte Assel,
eifernd. Dann, Gewißheit: ich insofern als Materie
finde, es muß vom Beginn der physischen Welt an
ein Belebergeist an allem Geschehen sein Gesetz
gesehen haben, sodaß davon lebende Wesen
werden konnten.
Der Ur-Wurf des Alls muß schon die klare,
physische Gewißheit in sich haben, daß es damit
zu bewußtem Leben in der Materie kommt. Denn,
sei mer logisch: sonst wäre keines daraus entstanden,
in der Siebung aller möglichen, erst einmal
nur atomaren und physikalischen Belebungen, durch
vielerlei Sieb- und Filtereffekte zu tanzenden
Wesen mit einem Gesetz, die physisch selbständig
sind wie Körper im weiten All.
An sich könnte man gut ein Powwow veranstalten
mehrerer Väter und Söhne über diesen so elementaren
Verhalt, zu mehreren, weil da gewisse ironische
Süffisanzen weniger wahrscheinlich sind der Erzeuger,
die somit ja in der Leitung gestanden haben der
Linie vom Ur-Beleber zu den nachgeratenen Exemplaren.
Das Philosophischste, was es gibt - das befirlefanzt
Descartes sehr schön argumentativ - ist das schlichte
Sichwundern über die reine Tatsache eigener klarer
Erkenntnis in dieser Welt.
Von da ausgehend kann man weiter philosophieren,
aber eher wohl episch werden im bewußten Ablegen
auf die Welt, in einer sich fügenden literarischen
Sage, einem Poem. Da kann man besser fein sein,
Erkenntnisdimensionen wechseln usw.
Viele kleine Flortiere leisten mir hier
ihre winzige Gesellschaft,
zum ersten Mal in ihrem besten Licht.
Nun tröpfelt's ein wenig, wie Rehpipi weit oben herab.
Ich saß aber nur, im Sonnenlicht, drüben in der Stadt
bei Blätterschattenspiel hatte mir der Arbeitstitel
eines möglichen Tuns gefallen: Kaloridynamik
im Wechselspiel von Licht und Schatten. Das liegt
in der Luft - diesertage Ergänzungen zu der
Archipelaginenwelt gefunden, wo das Wasser aus dem
Ozean hochdampft, wirft in Wolkenform aber Schatten,
und wo der Schatten einer Wolke das Meer überzieht,
da kühlt die Luft zwischen beidem ab; ein
Unterdruck entsteht, der die Wolke meist teilweise
erst (schräg)unterzieht; die senkt sich und gerät in
seitliche Bewegung damit. Bei einem Ozean übersprenkelt
mit tausenden Wolkenschatten beginnen diese nun
zu driften, zu gondeln, die Thermik beginnt, ob des
schnelleren Wechsels von Licht und Schatten sich zu
verrühren, und allmählich treibt die Corioliskraft
die Wolken zu einem Zyklon zusammen... solche Sachen
eben - könnt' man fein Labor aller Klassen drüber bauen.
Und abhandeln.
Hier aber - ich sitze für mindestens die acht
Minuten im Sonnenlicht, die dieses braucht von dort
bis hier hin, und eben, dann sieht die Sonne mich,
sieht sich, was sie wirkt und was ich davon werde.
In Landy hatte mich das immer unterhalten, einen
Gullideckel nahe zur Seite im hellen Sonnenlicht
zu sehen und die genaue Strecke zu spüren von der
Lichtquelle an der Sonnenoberfläche zu dieser präzise
gekanteten Rundplatte. Ein scheinbares Paradoxon
hatte mich unterhalten, fiel mir hier wieder ein
(Fliegelein, fein wassersilikatgrün irisierende
Flügelchen, paradiert auf meiner linken Hand,
widersteht gute Weile der lebhaften Luft - das also
ist der aktuelle Gruß des Belebers - ich sage es
und da weht es fort - tolle kleine Person): Also -
während der 8 Minuten Lichtwegs von der Sonne
zur Erde her wandert doch die Sonne im Himmel
ein Stück voran. Ich gerate über die Logik ins
Knibbeln, behalte aber die Lösung von damals
in Landy übrig: die Sonne als fest im All strahlt
Licht in alle Richtungen. Die Windung der Erde
in Drehung und Bahnvorlauf läuft ganz einfach mit
jedem lichtbeschienenen Punkt dorthin, wo ein Sonnen-
strahl nach 8 Minuten eben grad ankommt. Da ist
nichts fraglich: da, wo die Sonne erblickt wird,
scheint sie auch eben. Aber nein, meldet sich
der Sinn für's Paradox wieder: es ist ja,
in einem genaueren relativistischen Sinn,
egal, ob die Erde sich im All dreht oder
das All sich um die Erde. Völlig gleichgültig.
Das Gleichgewicht der Kräfte und Bewegungen ist dasselbe,
egal, wie ich es anschaue. So gesehen, zieht die Sonne
aber wirklich durch den Erdhimmel, und da, wo ich sie
wahrnehme, war sie vor acht Minuten und hat sich schon
weiterbewegt dahin, wo ich sie noch nicht sehe.
Das entspricht genau einer schon beschriebenen Wahrnehmungs-
verschiebung bei Phänomenen im All, ferner weg. Dort ist
der Zustand sichtbar, einer Galaxis etwa, (der Wind belebt
sich sehr, spielt mir an Kragen und Weste), von einer
Zeit eine Million Jahre her, und was nun dort geschieht,
wird für genau solch lange Zeit unerkannt sein.
Im übrigen ist so ja auch egal, ob sich die Erde
um die Sonne dreht oder sich diese um die Erde:
im Antlitz der Sonne sehe ich immer das schon
8 Minuten Alte, und dahinter verbirgt sich das
noch Unerkannte, ob ich's nun räumlich deplaziere
oder an seinem Platz lasse. Der heisere Pfiff
der Sonne diesertage, der auf der Erdbahn Fahrt
voraus (wieder Wind, gern gehörtes Glockenläuten
vom Kloster her) seinen Weg nahm, möchte mir als
spaßiger Beitext zu dem hier eben Bemerkten erscheinen.
Im All ist eine klare Ordnung grade!! Und von dem
Hauch wird man bestimmt noch hören: auch darin ist
der Beleber. Hör die Glocken: der, den sie dort
feiern, ward bekannt als der Menschensohn des
Allbelebers, und zum Ausweis dessen, so die ganze
Lehre, belebte er Sieche, Irre, Halb- und Ganztote.
In diesem Verstande kann man sich
nicht eigentlich täuschen...
Da gegenüber ist das Kreuz des einen Unfalls,
Narzissen und gelbe Blumen umher, das Grablicht
vielleicht brennend. Wir arbeiten weiter
an unserer Kritik der Bewegung, so und so.
"Metamorphosen eines Nachmittags". Schönes
Kapitel, nicht in eine akut von nun her
bestimmbare Zeit geschrieben. Dahin also,
wohin plausible Leser kommen sollen und wollen.
Ne Art amerikanisches Rokoko, Biedermeier
der Atomphysik oder solche Gegenden.
Seinem Tag Bedacht geben.
Es soll möglich sein...
...weiter ein bißchen gedacht,
nur so mit dem Bild des Konzepts:
Materie treibt also aufeinander zu,
weil um jedes - massenhafte -
Partikel der Raum schon so deformiert ist,
daß dem nicht anders sein kann. Selbst die
kleinsten Materiepartikel haben Masse und
kontrahieren so Raum. Das legt die Vermutung
nahe, die Kontraktion des Raumes und die
Formung von Materiepartikel seien Elemente
ein und desselben Prozesses. Womit sich so
etwas wie ein Fluidum suggeriert - nicht das,
was als Äther gilt - das sich dort verdünnt,
wo Materie sich aus demselben konkretisiert.
Der Ausgleich dieser "Verdünnung" geschieht
aber als Deformation des Raumes - schon sieht
man wieder Newtons Bottich rotieren und Einstein
was daran finden. Dieses Fluidum hat keinen
Massen- oder Materiecharakter in sich
(die Relativitätserörterung begann ja damit,
daß man vergeblich versuchte,
die Materialität des Äthers nachzuweisen),
da erst Materiecharakter erkennbar wird,
wenn diese Kontraktion erfolgt. Damit hat man
sozusagen eine Absolutform der Unschärferelation
vor sich, da mit keinem materiellen Mittel,
selbst der feinsten Partikularität nicht,
nachgewiesen werden kann, daß dieses Fluidum
existiert. Es kann nur aus den Eigenschaften
des Raum-Zeit-Materie-Alls
erschlossen und postuliert werden. Womöglich
gibt es aber von diesen erwähnten Elementarien
hier abgesehen noch Phänomene, welche diesen
Charakter erörtern und erläutern helfen können,
beispielsweise die Tatsache, daß Photonen
nur dann eine Masse haben, wenn sie sich bewegen...
Das andere: Subquantik. Es heißt: in Singularitäten,
nach erfolgter letzter Kontraktion des Massenalls,
werde sich in undenkbaren Zeitläuften die Materie
doch auflösen durch Quantenzerfall.
Da wende man den Satz: ex nihilo nihil fit
in eine andere Formel: was in einer Form existiert
und sodann verschwindet, das tut dies
in eine Dimension hin, welche der vorigen
protrahierter Existenz in allem Prinzip gleichen
muß. Diese Dimension aber, in welche
Materie entweicht bei Quantenzerfall, sollte
dieselbe sein, in welcher die Subquantik sich
postulieren läßt, das Pneuma dem Hauch, der
Magnetik, dem Schwerefeld vergleichbar, worin
aller Massencharakter geschieht, ohne daß sich der
Konnex auf eine einfache Mechanizität reduzieren
ließe. Quantik verhält sich dazu wie einfache
Felder definierende Numerik zu beispielsweise
geometrischer Arhythmetik, Quadratgleichungen
als einfachstes Muster. Diese lassen sich
aus den Charakteristiken der Numerik ja in keiner
Weise herleiten. Und doch lassen die Elementformen
Jener mit denselben Partikeln sich darstellen
wie diese...
"Ja aber braucht man das?!" Wo man mehr
können sollte als Fressen und Scheißen, schon.
Sonst keine weitere Erörterung möglich.
Diese Erwägungen sind an sich zu einfach,
zu naiv, nicht wahr, wie Meinungen von Halbgeistern
am Thresen sind.Ich brauch' das eigentlich nur,
um mich zu beruhigen, die Ratlosigkeit zu mindern.
Nebenher ein wenig (gestern schon) in den
philosophischen Sachen gestöbert. Platons
Behebungen mit den Dingen des Dion in Syrakus... Wie
fürchterlich, aber ich werde das wohl herauskopieren
und studieren, genauer, so nervend das ist. Dann
ein Eckchen Heidegger, nur anatmen: das Phänomen.
Bei Heidegger oft fühlbar die gründliche Tautologik
des Textsinnes in einem fast abgründigen konkreten
Verhalt des Textes in seiner materialen Form,
als Schrift und Buch. Der ist fürchterlich ironisch,
aber dabei erfrischend ernst. Später, mit Abstand
und beim Weiterdenken im eigenen Film, kamen sonderbar
die verschiedenen belesenen Partikel auf eine
selbe Formel, da kann ich mich offenbar wirklich
nicht vertun. Selbst mit oberflächlich schmeckendem
Bedacht finde ich immer die Schriftstellen zusammen,
die auch wirklich sprechenden Sinn machen mit
dem, wie ich mir's so und so herbeigefunden und
angedacht habe. Das ist gutes Beispiel für den
Charakter dessen, was ich da eben im Ur-Elementaren
Kontraktion nannte.
("Logos" impliziert, organisch-phänomenal,
die funktionale Nähe zu "stoma" oder Mund.
Die Kontraktion gleicht dem, wie sich der Mund
im entspannten Gesicht zusammenzieht und durch
den Preßdruck eine Materialisation, eine Verdichtung
und Konkretion entsteht. Dabei ist doch die
funktionale Mitte des Mundes, der Grund seines
So-Seins, ein Nichts, die Öffnung, die Leere.)
(Bewegung, Vektor erzeugt Kontraktion - da ist
ganz allgemein der Zugang von diesem Konzept
zu den sogenannten Superstrings. Es läßt sich
nicht leicht definieren, was "Bewegung" in dem
vor-materialen Fluidum sein sollte.
Die Superstring-Lehre ist da kryptisch
in mathematischer Form, der Polydimensionalität
des Konzeptes.)
Wieder: es läßt sich kein Willen, kein Akt
postulieren, welcher die Entstehung der Materie
veranlaßt hat. Diese muß entstanden sein
aus einer Art Sog in der Dimension dessen,
was daraus entstehend erst sein werde.
(Schluck Milch: die Kälber werden so künstlich
gefüttert, daß sie an einem Stutzen SAUGEN
müssen mittels eines Zungenkrampfes, statt eine
elastische Zitze zu komprimieren und sich damit
die Milch praktisch zu injizieren - die Technik
ist so offenbar widernatürlich, daß ich vermuten
muß, das soll extra was sagen. Die Schindluderei
zu relativieren, muß etwas daraus erdacht
werden.) Der "Beleber" bzw. das subtile Prinzip,
dem das entspricht, muß sich daher wohl
selbst konzipieren als das, was sich in der
soweit subtilsten Materieform, dem Leben,
seiner selbst innewerden kann, dies manchmal
in einer Form, daß ein an sich geistlos
Existierendes vermeinen kann, ein Geist
(gröber: Dämon) nehme in seiner Seele Wohnung
(: eine Kontraktion, stomatisch, Ausdruck
auch dessen, daß da ohnehin etwas hingehört,
das transakt-Selbst ist und bleibt, was es
sein will, indem es sich trans-agiert, usw.).
Alle diese Aspekte, die Kontraktion, das
perzeptive Verinnerlichen des Daimon - derlei
zeigt sich hier in grober Figur immerzu
im Sozialbild. Menschen fallen regelrecht
aus aller Form, wenn ich in ihre Nähe komme
(Vektor), verengen absichtlich den Weg,
alterieren sich daran, meine Erscheinung
in sich abzubilden.
Das ist lästig, marrant, wie das so heißt.
Zu komisch an sich, aber es läßt mich wundern,
wie nichtig Typen sein müssen, die meinen,
auf derlei angewiesen zu sein.
Die Augenlicht-Funktion ist eine Spezialisation
der Wärmefühligkeit. Diese ruht ja im Grunde
der molekularen Energetik...
Das heißt...
(don't know)
(aber solche konzisen Postulate machen Spaß,
beleben, eben. Da draußen überall schafft sich
derzeit Protoplasma neu in so vielen Formen.
Und so, wie Grünblatt entsteht, so unmittelbar
tritt das Sonnen-Himmelslicht darin auch
in unmittelbare, spezifizierte Funktion.)
"Die soweit subtilste Materieform" - das ist
eine Vorsicht, es so zu nennen. So, wie die
organischen Chemiebewegungen als Abschein
des atomaren Prozeßbildes erscheinen mögen des
Stickstoff-Kohlenstoff-Sauerstoff-Kreislaufs
in der Atomsynthese der Sterne, so darf vermutet
werden, daß rein physikalische, sehr gewaltige
Kraft-Wesen in und zwischen den Sternen bestehen,
vor denen das organische Leben vielleicht nur -
auch in geistiger Hinsicht - eine lachhafte
Schmutzspur ist. Vielleicht erscheint
deswegen die Weltvernichtung durch den Menschen
so unaufhaltsam naturläufig. Solche Energie-Geister
sind vielleicht nicht sterblich in einem organischen
Sinn, aber dennoch einer unaufhaltsamen
Zeitlichkeit unterworfen. Das All als gewaltigstes
Selbstgespräch der Materie, die vernunftfähigen Wesen
im Organischen als Zuhörer. Die reale Wahrnehmung
aller zum Lebendsein gehörenden
physikalisch-chemischen Funktionen als der lebende
Beweis, daß das All sich eine wirklich wahre Sache
erzählt. Das ist so selbstverständlich, daß es sich
aus Materie verdeutlicht und exemplifiziert.
Und wo es zu eigenem Bewußtsein in diesen
Dingen kommt, da verwundert im Erkennen dessen
selbst das All sich mit, dem das so selbstverständlich
innewohnt. Wie kann Pascal nur behaupten, die unbelebte
Welt sei geistlos! Solche Wahrnehmung gilt nur relativ,
in einer perzeptiven Zwischenphase.
(Aber ich bin dem Typ tief verpflichtet, gleich
wo mich dessen Gedankenarbeit nicht wirklich
interessiert. Es ist etwas Anderes:
der ist mir in der Art, in einem soziokulturellen
Horizont, sehr nahe.)
Man muß den Himmel
nehmen, wie er ist.
Das gilt für alle,
die keine Engel sind.
_________
...welche Dinge immer auch geistige Aufmerksamkeit
beanspruchen - darin muß sich die Empfindung
wiederfinden, daß ein für alle Mal etwas darin
erreicht ist; dann kann man es nennen
ein geistiges Gefäß...
_________
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